Wenn die Pferde weichen und der Sound das Feld übernimmt…

Bad Wörishofen – Das Soundfeld Festival bietet Musik und Kultur abseits des Mainstreams im Unterallgäu. Da lohnt es sich, genauer hinzusehen. Ein Text über ein wunderbares Festival im Hinterland

Von Marius Kliemer

Ein idyllisches Reiterheim in der Nähe des unterallgäuerischen Bad Wörishofen. Fleißige Helfer_innen bauen Bühnen auf, schnibbeln Gemüse und verwandeln die Pferdekoppel in ein gemütliches Festivalgelände. Am Freitag, den 22. Juli 2017, startet das Soundfeld Festival in die zweite Runde. Das Programm bietet den Besucher_innen zwei Tage Musik und Kultur mit 19 Acts und 2 DJs. Wir von muscovado waren dieses Jahr mit dabei und haben uns das Festival ein bisschen näher angekuckt.

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Auch Teil des Programms: Ein Skate-Contest am Samstagnachmittag; Foto: Marius Kliemer

Es ist das Jahr 2016 und in der Gegend um Bad Wörishofen, Türkheim und Buchloe bahnt sich das Sommerloch an. Musikinteressierte flüchten auf weit entfernte Großevents. Doch wer seine Facebook-Timeline genauer studiert, weiß, dass dieses Jahr zum ersten Mal ein Open-Air-Musikfestival direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet: Das Soundfeld Festival! Doch wer steckt eigentlich hinter dieser Veranstaltung und wie ist sie entstanden? Wir haben mit Yannic, einem der Mitbegründer des Festivals gesprochen und einige Hintergrundinformationen bekommen.

Ursprünglich entstand die Idee, ein mehrtägiges Festival auf die Beine zu stellen, durch den Yalla Yalla Kultur Hilft e. V.. Yannic und sein Vater sind die Vorstände des gemeinnützigen Vereins, der seit Jahren im Unterallgäu Kulturveranstaltungen, vor allem Konzerte, organisiert. Alle Einnahmen gehen dabei an soziale Projekte, die der Verein unterstützt oder selbst betreut. Um ein Großprojekt wie das Soundfeld umzusetzen, fehlten dem Verein jedoch lange Zeit die personellen Kapazitäten. Dies änderte sich als die Kooperation mit dem Hirsch Lindenberg – Kollektiv entstand, ein Kollektiv, das eine alternative  Kneipe in Lindenberg bei Buchloe betreibt. Zusammen und mit vielen zusätzlichen freiwilligen Helfer_innen konnte das Soundfeld Festival dann erstmals im Sommer 2016 realisiert werden.

Im Unterschied zu den sonstigen kulturellen Veranstaltungen des Yalla Yalla Vereins und den Terminen im Hirsch Lindenberg, soll das Soundfeld richtige Festival Stimmung bringen: Ein Wochenende zelten und Musik genießen. Das war die Vision von Yannic und seinen Mitstreiter_innen. Und dieses Versprechen hat das Soundfeld auch 2017 wieder gehalten! Die Stimmung Freitagnachmittag als wir ankommen ist super, die erste Band hat gerade angefangen und der Pizzaofen läuft auf Hochtouren. Auf dem Zeltplatz wird zusammengesessen und das erste Bier geöffnet. Man fühlt sich sofort zuhause.

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Zeltplatz-Idylle beim Soundfeld 2017; Foto: Marius Kliemer

Die Bandauswahl ist ein Mix aus überwiegend lokalen Bands, die die Veranstaltenden mit Auftrittsmöglichkeiten unterstützen wollen, und einigen überregionalen – und sogar internationalen – Acts. Die bekanntesten dieses Jahr sind wohl BBou, ein Mundart-Rapper aus der Oberpfalz, und The Movement, eine Ska-Punk-Band aus Dänemark. Als Lokalberühmtheit und Yalla Yalla Hausband treten dann noch Black Market Radio am Samstagabend auf. Wichtig ist den Organisator_innen, dass das Soundfeld nicht zu einem Szenefestival wird, sondern dass für jede_n musikalisch etwas dabei ist. Das Konzept geht sichtlich auf, da das Publikum sehr vielseitig ist. Von Familien, über Althippies bis feiernde Jugendliche sind alle glücklich beim Soundfeld.

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Egal ob Klein oder Groß, auf dem Soundfeld fühlen sich alle wohl; Foto: Marius Kliemer

Neben dem musikalischen Rahmenprogramm gibt es auch einige Aspekte, die dem Soundfeld seinen besonderen Charakter geben. Zuerst wird der gesamte Erlös gespendet. 50 Prozent an den Hirsch Lindenberg, um das dortige Kulturprogramm zu fördern, und 50 Prozent an soziale Projekte des Yalla Yalla Vereins. Außerdem gibt es rein vegetarisches und veganes Essen auf dem Festival. Im letzten Jahr, wie in diesem Jahr, stehen auch Geflüchtete am Herd für die Festivalbesucher_innen. Yannic erzählt, dass es viele negative Stimmen gab, als 2015 in Bad Wörishofen Geflüchtete untergebracht wurden. Das wollte er und andere Aktive aus dem Yalla Yalla Vereinsumfeld nicht stehen lassen und besuchte die Menschen in den Unterkünften regelmäßig. Durch diesen persönlichen Kontakt, kam es zu dem Angebot, dass Menschen aus Pakistan 2016 auf dem Soundfeld Essen machen könnten. Gesagt getan: Das gemeinsame Projekt wurde umgesetzt. Dieses Jahr, 2017, ist eine afghanische Familie Teil der Kochcrew. Gerne hätte man auch wieder mit den Menschen aus Pakistan zusammen Essen angeboten, diese sind jedoch aufgrund von Abschiebebescheiden nicht mehr in Bad Wörishofen. Die rigorose Abschiebepraxis in Deutschland und vor allem in Bayern, hat der Chance auf ein neues und zufriedeneres Leben in der bereits entstandenen Gemeinschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nicht nur Abschiebungen, auch Diskriminierung und Intoleranz, sind Dinge, die für die Soundfeld-Organisator_innen gar nicht gehen. Wer andere abwertet, hat hier nichts zu suchen. Das ist auch bei der Bandauswahl wichtig. Das vielfältige, mit Herzblut geplante und organisierte Programm soll allen Menschen eine schöne Zeit ermöglichen. Niemand soll sich hier unwohl fühlen müssen. Und genau darauf kommt es an. Auf die Frage, was für ihn das Schönste beim Soundfeld ist, antwortet Yannic: „Ich freue mich am meisten auf die vielen glücklichen Gesichter beim Festival!“ Und um sich zu vergewissern, dass das nicht nur pathetisches Ideal ist, reicht ein Blick ins Publikum. Ehe man sich versieht, ist es Sonntag und man kann kaum das Soundfeld im nächsten Jahr erwarten! Danke für das wunderbare Wochenende mit netten Menschen und guter Musik!

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Soundfeld-Merch aus der mobilen Siebdruck-Werkstatt; Foto: Marius Kliemer

Für mehr Informationen:

http://www.soundfeld-festival.de/
http://www.facebook.com/soundfeld.festival/

http://www.yalla-yalla-kultur-hilft.de/
http://www.facebook.com/Yalla.Yalla.Kultur.Hilft/

http://www.facebook.com/hirschlindenberg/

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