Geflüchteten-Hungerstreik in Ebersberg

Bemalte Transparente flattern vor dem Landratsamt in Ebersberg im Wind. Bereits seit Montag protestieren dort geflüchtete Menschen für ihre Rechte, gegen Abschiebungen und Arbeitsverbote. Heute Morgen traten sie in den Hunger- und Durststreik. „Der Protest ist unsere letzte Chance“, sagt Baskarat Abbas, der aus Pakistan in die Bundesrepublik geflohen ist. „Zurück können wir nicht mehr, wir sehen ja in den Medien, was in Afghanistan und in Pakistan los ist, und dahin wollen die uns zurückschicken? Wenn es in Afghanistan sicher ist, was macht dann die Nato da?“ Angemeldet ist die Kundgebung bis Ende der Woche, die rund 20 Asylsuchenden, sie kommen mehrheitlich aus Pakistan und Afghanistan, haben Schlafsäcke dabei, sie bleiben auch über Nacht – „auch wenn es ganz schön kalt wird“, wie Abbas sagt. Organisiert wird die Protestaktion vom Geflüchteten-Netzwerk „Refugee Struggle for Freedom“

Am 28. Januar 2012 beging der iranische Asylbewerber Mohammad Rahsepar aus Verzweiflung über seine Lage in Würzburg Selbstmord. Sein Tod löste nicht nur in Würzburg Solidaritätsaktionen unter Asylsuchenden und ihren Unterstützer*innen aus, in den darauffolgenden Monaten gab es in einigen bayerischen Städten Protestcamps. „Allein erreichen wir nichts, das merkt man schnell“, erklärt Baskarat Abbas, er lebt seit vier Jahren in Deutschland und ist schon seit Längerem im Protestnetzwerk „Refugee Struggle for Freedom“ aktiv.

Über die gemeinsamen Protestaktionen sei ein starker Austausch entstanden, im September 2012 organisierten Geflüchtet einen Protestmarsch nach Berlin. Und auch in München gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Protestaktionen, am Rindermarkt spielten sich im Juni 2013 teils dramatische Szenen ab, mehrere hunger – und durststreikende Flüchtlinge mussten ins Krankenhaus weil ihr gesundheitlicher Zustand so schlecht war, schließlich wurde der Protest von der Polizei gewaltsam beendet, mehrere Menschen wurden bei der Räumung verletzt.

Baskarat Abbas hofft, dass es in Ebersberg nicht so weit kommt. „Einige Menschen hier haben auch Probleme mit den Nieren, das kann gefährlich werden, wenn die nichts trinken.“ Bleiben wollen die Protestler vor dem Landratsamt aber trotzdem, „was sollen wir denn auch tun, sonst hört uns ja niemand zu“, sagt Abbas. Den protestierenden Geflüchteten geht es bei ihren Aktionen auch um Grundsätzliches, wie der senegalesische Asyl-Aktivist Moustapha Biaye erklärt: „Woher kommt denn die Armut in Afrika, woher kommen die Waffen und die Kriege? Werden in afrikanischen Ländern Waffen hergestellt? Der Westen hat so viel Ungerechtigkeit in die Welt gebracht, dann gehen die Menschen weg aus ihren Ländern, aber hier leben dürfen sie dann auch nicht? Wo sollen wir denn hin?“

Von Anselm Schindler

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