Regensburg: Profite statt Wohnraum

Auch im oberpfälzischen Regensburg steht Wohnraum leer, während Menschen auf der Straße leben. Die Initiative Recht auf Stadt will auf diese Problematik aufmerskam machen.

Es sieht heruntergekommen aus, das gelbe Haus in der Landshuter Straße 107 in Regensburg. Bereits seit Jahrzehnten steht das Haus leer – zumindest theoretisch. Doch so leer wie es von außen aussah war das Haus nie: Über die Jahre hinweg wohnten dort Menschen, die sonst keine Bleibe fanden. Am 8. März rückte dann die Regensburger Polizei an und setzte die Bewohner vor die Tür. Die Räumung wurde von der Pfarrkirchner RMI Immobilien GmbH veranlasst, und das obwohl die Firma das Gebäude erst in einigen Jahren abreißen will. Den heimlichen Bewohnern wurde eine Geldstrafe angedroht, sollten sie das Gebäude nochmals betreten.

 Die Regensburger Initiative Recht auf Stadt kritisiert die Räumung und wirft in einer Stellungnahme Frage auf, warum die Menschen die das Haus nutzten dort nicht bis zum Abriss bleiben dürften. Vorrübergehend hat die Initiative für die Bewohner private Schlafmöglichkeiten organisiert, diese seien aber keine dauerhafte Lösung heißt es von den Aktivist*innen. In der städtischen Wohnungslosen-Unterkunft in der Taunusstraße unterzukommen sei für viele Obdachlose nicht möglich, weil dorthin keine Hunde mitgebracht werden dürften. Die 40 Schlafplätze der Unterkunft würden aber ohnehin nicht für alle wohnungslosen Menschen in der Stadt ausreichen, denn laut Caritas leben in Regensburg rund 200 Menschen auf der Straße.

Dabei gibt es in der Stadt und im Umland auch viel ungenutzten Wohnraum, allein das städtische Tochterunternehmen Stadtbau verwaltet rund 200 leerstehende Wohnungen. Hinter dem Leerstand stecken oft Profitinteressen von Immobilienbesitzer*innen: In einer Stadt wie Regensburg, in der Wohnraum Mangelware ist steigen Grundstücks- und Immobilienpreise in der Regel auch, wenn nichts in die Wohnungen oder Häuser investiert wird. Deshalb kann es lukrativer sein, ein Gebäude ungenutzt zu lassen, und in einigen Jahren mit hohem Profit weiterzuverkaufen, statt Geld, Zeit und Arbeit in die Vermietung zu stecken. Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen hat die Initiative Recht auf Stadt inzwischen auch einen Leerstandsmelder eingerichtet.

Anselm Schindler

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s