Kommentar: Pegida und die kalten Füße

Wer sich Nazis und Rassist*innen entgegenstellt, kennt das Argument: „Ihr gebt denen mit eurem Protest nur Aufmerksamkeit, ignoriert sie doch einfach“. Doch die Herangehensweise, rechten Scharfmacher*innen den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem man sie ignoriert, ist so beliebt wie falsch.

Gerade Strömungen und Parteien wie AfD und Pegida sind über den Punkt, an dem man sie mit Ignoranz strafen und damit wegschweigen könnte, längst hinaus – sie pöbeln regelmäßig auf den Straßen und sitzen bereits in vielen Landesparlamenten. Und die, die AfD wählen oder sich von Pegida-Slogans auf die Straße ziehen lassen, tun dies so oder so – ob man sie ignoriert oder nicht. Es kann deshalb nur darum gehen, den Anhänger*innen der Rechtspopulist*innen immer wieder vor Augen zu führen, wem sie da zujubeln. Lautstark und mit dem nötigen Nachdruck.

Seit zwei Jahren latschen sich antifaschistische Aktivist*innen in München (fast) jeden Montag die Füße wund – oder nass. Doch sie haben erreicht, dass aus den anfänglichen vielen hundert Rechten die durch die Straßen der Landeshauptstadt marschierten ein kleiner Haufen geworden ist. Der Münchner Pediga-Ableger ist innerhalb von einigen Wochen nach seiner Gründung auf den harten Nazi-Kern zusammengeschrumpft, der die Bewegung von Anfang an in der Hand hatte. die „normalen“ rechten Wutbürger trauten sich sehr schnell nicht mehr mitzulaufen, sie waren es schnell leid, blockiert und angeschrien zu werden, das ist ein Erfolg der Proteste. Als sie wegblieben wurde klar, wer hinter Pegida steckt: Nazis. Darunter Kader von der Neonazi-Partei „III. Weg“ und verurteilte Rechtsterroristen. Und die laufen immer noch (fast) jeden Montag durch München.

Damit Pegida auch in Zukunft nicht mehr anschlussfähig wird gilt es weiterhin, der argumentativen Konfrontation nicht aus dem Weg zu gehen, sie vielmehr zu suchen. Wer seine Argumente für die besseren hält, muss sie auch offensiv vertreten. Es gelten weiterhin die Worte des erst vor wenigen Monaten verstorbenen KZ-Überlebenden Max Mannheimer: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“

Am nächsten Montag geht es weiter.

Anselm Schindler

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