Von der Kritik an der Kritik

Der Linken-Politiker Oskar Lafontaine ist wegen seinem Medien-kritischen Facebook-Posting stark in die Kritik geraten. Die Huffington Post wirft Lafontaine vor, er schlage ins selbe Kerbholz wie die Lügenpresse-Schreier von AfD und Co. Das ist unfair, denn es gibt auch eine gerechtfertigte Kritik am Querschnitt der deutschen Medienlandschaft.

Ein Kommentar von Anselm Schindler

„Deutsche Journalisten erhalten Befehle aus den USA“, so betitelte kürzlich die Huffington Post (HP) die Debatte um Lafontaines Facebook-Posting. Hat Lafontaine das so gesagt? Nein. Was Lafontaine auf Facebook geschrieben hat ist folgendes: „Dass die CIA manchem deutschen Journalisten die Feder führt, dürfte bekannt sein“. Das ist, zugegeben eine etwas missverständliche Aussage. Allerdings ist es schon manipulativ, sie so zu interpretieren wie die Huffingtion Post das tut. „Die Feder führen“ könnte auch einfach metaphorisch gemeint sein. Und die HP hätte Lafontaine zumindest mit der Aussage konfrontieren müssen, um ihm eine Chance zu geben, das klar zu stellen. Ihn wegen diesem Posting (dem Satz folgt eine differenzierte Stellungnahme Lafontaines) in die Nähe von Populist*innen a la AfD zu rücken ist mies.

Reifer wäre es gewesen, die Huffington Post hätte sich mit den Vorwürfen Laftontaines auseinandergesetzt, anstatt nur zurückzupöbeln. Denn mit dem was Lafontaine schreibt hat er nicht ganz unrecht. Es geht nicht darum „den Medien“ vorzuwerfen „sie“ seien manipuliert. Das ist natürlich Quatsch. Allerdings hat Lafontaine recht, wenn er sagt, dass in deutschen Medien mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn man kann nicht einerseits die plumpe Propaganda eines Putins oder Assads enttarnen und andererseits die Lügen der Nato und ihrer Mitgliedsstaaten (in vielen Fällen, nicht in allen) ausblenden. Man kann nicht einerseits aufschreien (was richtig ist) wenn in Nizza unschuldige Menschen von einem Djihadisten getötet werden und die Massenmorde westlicher Interventionsarmeen, geschweige denn die ökonomische Ausbeutung durch den Westen verschweigen. Denn damit spielt man den rechten Vereinfachern in die Hände.

Wo wird heute den hunderttausenden irakischen Zivilist_innen gedacht, die während dem US-Angriffskrieg im Irak ihr Leben verloren? Wo ist in deutschen Medien zu lesen, das eben dieser Krieg die Grundlage für die Entstehung des IS gelegt hat? (Fast) nirgends. Die deutsche Presselandschaft ist in ihrem Querschnitt auch nicht besser oder schlechter als es die gesellschaftlichen Verhältnisse sind – oder, um es mit Marx zu sagen: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“. Das sich viele Medien nur allzu oft unkritisch auf den Status Quo westlicher Politik beziehen muss manen allerdings schon vorwerfen dürfen ohne gleich als „Lügenpresse-Schreier“ diffamiert zu werden. Es gibt eben auch eine kritische, eine nicht populistische Medien-Kritik. Und Lafontaine bedient sich dieser Kritik, ihn mit den Irren Verschwörungstheoretikern von AfD und Co in einen Topf zu schmeißen ist unfair.

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Screenshot von huffingtonpost.de
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