Dringend Wohnung für Rosenheimer Flüchtlingsfamilie gesucht

Die Enge macht ein „normales“ Leben fast unmöglich. Vier Menschen in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Wer hat Wohnraum und kann an geflüchtete Menschen aus dem Raum Südbayern vermieten? Mail an muscovado.ro@gmail.com

Es ist eine komische Mischung von Gefühlen, die sich breit macht, wenn man bei Familie Q. auf einen Tee eingeladen wird. Herzlich geht es zu, doch dann ist da diese Beklommenheit, die von der Enge der Wohnung erzeugt wird. Während zwei der Söhne in einer Wohngemeinschaft in der Rosenheimer Innenstadt untergekommen sind, lebt der Rest der Familie, die Eltern und die beiden anderen Söhne in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Keller eines Wohnblocks. Alle vier schlafen im Wohnzimmer, neben einer winzigen Küche das einzige Zimmer der Wohnung. Muffig ist es hier, feucht und dunkel. Und viel zu klein natürlich für vier Menschen, schwierig für die Eltern, die auch gesundheitlich unter den Lebensumständen leiden.

Und schwer für die beiden Söhne, die mit Mutter und Vater dort leben. Der jüngste besucht eine Übergangsklasse, spricht inzwischen gut deutsch, doch die Wohnsituation macht es für ihn schwer, sich zu konzentrieren und für die Schule zu lernen. Auch der andere Sohn, der dort lebt, lernt gerade deutsch. Seit seiner Kindheit ist er körperlich behindert, ein Gerinnsel in seinem Gehirn und Lähmungserscheinungen machen das Leben komplizierter und die Wohnsituation ungleich unerträglicher.

„Wir haben so lange durchgehalten“, sagt einer der Söhne, „den Krieg, die Flucht, wir schaffen das jetzt nicht mehr“. Seitdem ein großer Teil der Familie im vergangenen Sommer aus der Flüchtlingsunterkunft in die Kellerwohnung gezogen ist, hoffen sie auf eine größere Wohnung. Damit das Leben endlich weitergehen kann.

Flüchtlinge waren sie in der Familie letztlich schon immer, ihre Großeltern kommen aus Palästina, syrische Ausweise hatte die Familie nie. Auch wenn sie schon seit zwei Generationen in Yarmouk, einem Stadtteil von Damaskus, lebten. Doch sie hatten sich etwas aufgebaut, der Vater gründete ein erfolgreiches Fließen-Unternehmen, Aufträge hatte das Familienunternehmen, in dem bald schon auch die Söhne der Familie mithalfen, genügend. Nicht nur in Syrien, auch im benachbarten Libanon.

Dann kam der Krieg. Mit dem sie nichts zu tun haben wollten, aber der bald schon das Leben bestimmte. Das Leben der Familie, das Leben eines ganzen Landes. Immer wieder seien Menschen aus ihrem Umfeld verschwunden, berichtet einer der vier Söhne: Freunde, Bekannte, Verwandte. Vom Krieg verschluckt, von Polizei und Banden entführt. Doch die Familie wollte bleiben, arbeitete weiter. Die Koffer standen gepackt in der Garage, für den Notfall. Dann fielen die Bomben auch in Yarmouk, sie trafen Schulen, Häuser und Menschen.

Was ins Auto passte nahm die Familie mit sich, dann verließen sie ihre Heimat Richtung Flughafen. Zahlten ein halbes Vermögen für Schmiergelder an Polizei und Behörden um durchgelassen zu werden, zu überleben. Mit dem Flugzeug erreichten sie Ägypten, mit dem Bus und teils zu Fuß ging es weiter nach Libyen. Als Illegale, Palästinenser noch dazu, ungewollt jedenfalls. In Libyen schlug sich die Familie viele Monate mit Gelegenheitsjobs durch, teils besuchten die Söhne die Schule. Dann kam der Krieg auch nach Libyen. Die Eltern beschlossen, zwei Söhne vorzuschicken, nach Europa, in Sicherheit. Was folgte war das, was man inzwischen auch hier aus dem Fernsehen kennt: Die Fahrt über das Mittelmeer, Flüchtlingslager auf Lampedusa und die Ankunft in Deutschland.

Während einer der Söhne in einer Asylbewerber-Unterkunft in Grassau untergebracht wurde, landete der andere in einer Wohn-Gruppe für minderjährige Flüchtlinge in Rosenheim. Die Polizei hatte die Brüder bei der Ankunft in Rosenheim getrennt, es dauerte einige Wochen, bis sich die beiden wieder fanden. Nach einem Jahr machte sich auch der Rest der Familie auf den Weg nach Europa. Viele auf dem Boot hätten nicht schwimmen können, erinnert sich einer der Söhne. Immer wieder brach der Kontakt ab, einen Tag lang hörte man nichts von der Familie, eine beklemmende Angst machte sich breit. Dann, nach schlaflosen Stunden des Wartens, erreichte die Familie die italienische Küste.

Unter dem Leben in Deutschland hätten sie sich etwas anderes vorgestellt, erklärt der Vater. „Wir wollen uns hier etwas aufbauen“, sagt er. Doch daraus wird wohl erst etwas, wenn die Familie eine angemessene Wohnung findet.

Von Anselm Schindler

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Wohnraum: Für manche selbstverständlich, für andere scheinbar unerreichbar. Foto: wikipedia.org

 

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