Münchner Ausstellung: 40 Tage in einem Stück

Damit nicht in Vergessenheit gerät, was bis heute geleugnet wird: Vor 101 Jahren begann der Völkermord an der armenischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches. Das Münchner Residenztheater widmet sich ab Mitte Mai den Gräueln des Genozids an den Armenier_innen

24.04.1915: Vor 101 Jahren begann im Osmanischen Reich mit der Verhaftung und Vertreibung von armenischen Intellektuellen einer der größten Völkermorde der Menschheitsgeschichte. Bis zu 1,5 Millionen armenische Menschen wurden vom Osmanischen Reich, dem Vorgängerstaat der heutigen Türkei, durch Todesmärsche in die syrische Wüste, durch Verbrennung in Höhlensystemen und Vernichtung in Konzentrationslagern ermordet. Und das auch mit Unterstützung deutscher Offiziere. Beim Bau der Bagdadbahn, der von der Deutschen Bank finanziert wurde, stellten die Osmanen deutschen Ingenieuren tausende armenische Zwangsarbeiter zur Verfügung, die nach und nach systematisch ermordet wurden. Die Vernichtungspolitik gegen die Armenier_innen wurde von großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit verschwiegen oder gebilligt. Als „hart, aber nützlich“ bezeichnet Hans Humann, Marineattaché an der deutschen Botschaft in Konstantinopel (heute Istanbul) den Genozid. Widerstand gegen die deutsche Unterstützung des Völkermordes gibt es im Deutschen Reich kaum. Nur aus der Arbeiter_innen-Bewegung wird Kritik laut, so befasst sich der sozialistische Reichstags-Abgeordnete Karl Liebknecht in einer Rede mit dem Genozid: „Die türkische Regierung hat ein furchtbares Gemetzel unter den Armeniern angerichtet; alle Welt weiß davon – und in aller Welt macht man Deutschland verantwortlich, weil in Konstantinopel die deutschen Offiziere die Regierung kommandieren.“

Vom türkischen Staat wird der Völkermord an den Armenier_innen bis heute geleugnet und auch deutsche Regierungen drücken sich seit Jahren um die Anerkennung der deutschen Mitschuld am Genozid. Um so wichtiger sind da Projekte wie das neue Theaterstück im Residenztheater in München: Am 13. Mai feiert das Stück „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ unter der Regie von Nuran David Calis seine Premiere. Im Zentrum des Stücks, das an den gleichnamigen Roman von Franz Werfel angelehnt ist, steht die Verschanzung von fast 5.000 armenischen Vertriebenen auf dem Musa Dagh, dem Mosesberg in der Nähe der türkischen Mittelmeerküste. Anschauen!

http://www.residenztheater.de/inszenierung/die-vierzig-tage-des-musa-dagh

Armenian_child_refugees_(Aleppo,_Syria,_1915)
Armenische Kindern in einem Vernichtungslager im heutigen Syrien. Foto: Wikimedia.org
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