Flaschenbier und Stillstand

Am Samstag-Nachmittag will in Edling (Kreis Rosenheim) eine Bürgerwehr zur örtlichen Flüchtlingsunterkunft marschieren. Es kommt anders.

Von Anselm Schindler

„Ich denke, die sind erst mal frustriert“, sagt Matthias Schnetzer, mit Blick auf die Edlinger Bürgerwehr. Schnetzer ist Bürgermeister der kleinen Gemeinde bei Wasserburg (Kreis Rosenheim) und sichtlich erleichtert, dass vor der neuen Flüchtlingsunterkunft am Rande der kleinen Ortschaft nur Menschen stehen, die den Asylbewerber*innen wohl gesonnen sind. Eigentlich will die Edlinger Bürgerwehr an diesem Samstag-Nachmittag von einem Sportheim aus durch den Wald zu den neuen Containern marschieren, in die am Mittwoch rund 50 asylsuchende Menschen gezogen sind. Doch auf dem Waldweg stehen bereits Bürger*innen aus der Gemeinde, sowie einige, die aus dem Umland nach Edling gekommen sind. „Mei, wenns sei muss, dann halt mas halt auf“, sagt ein älterer Herr. Doch an diesem Nachmittag muss es nicht sein. Denn zum geplanten Spaziergang der Bürgerwehr sind nur fünf junge Männer erschinen, mit Bierflaschen und missmutigen Blicken stehen sie am Straßenrand.

100 Liter Freibier wollte die Bürgerwehr vor dem Spaziergang eigentlich ausschenken, doch wegen der fehlenden Ausschank-Lizenz wurde daraus nichts. Und so haben die fünf Burschen ihr Bier in Flaschen mitgebracht. Presseanfragen beantworten wollen sie nicht, und sich auch nicht so recht bekennen zur Bürgerwehr: „Wir sind Sympathisanten“ sagt einer der Männer mit Blick auf die Organisation, die sich gegründet hat als bekannt wurde, dass 50 neue Flüchtlinge in der Gemeinde untergebracht werden sollen. Doch wer hinter der Bürgerwehr steht ist bislang unbekannt, „alles anonym“ bestätigt das Bürgermeister Matthias Schnetzer. Doch letztlich sei es egal, wer die Bürger seien, die sich hier ihr besorgtes Stelldichein geben: „für die ist hier in keinster Weise Platz“, erklärt Schnetzer. Er ist sichtlich stolz, dass an diesem Nachmittag rund 200 Menschen zu den Containern gekommen sind, um sich mit den Flüchtlingen zu solidarisieren.

In der Nachbargemeinde Soyen hat es im Januar gebrannt, bislang unbekannte Täter steckten den Holz-Boden der dortigen Container-Anlage in Brand. Es entstand ein Sachschaden von rund 50.000 Euro. Und auch die Container in Edling wurden vor dem Einzug der Flüchtlinge Ziel von Schmierereien. Probleme habe es bisher nur mit den rechten Angriffen gegeben, sagt Bürgermeister Schnetzer, der Alltag und das Leben mit den Flüchtlingen funktioniere indes gut. Mehr als 70 Menschen engagieren sich in Edling, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Schon 2013 zogen die ersten Asylsuchenden nach Edling, im vergangenen Jahr folgten 30 weitere. Insgesamt sind es nun 80 geflüchtete Männer, Frauen und Kinder, die in Edling untergebracht wurden, in diesem Jahr sollen weitere folgen. „Des kriag ma hin“ sagt Bürgermeister Schnetzer. Es ist die Edlinger Version von „wir schaffen das“.

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Wenig erfolgreich: Edlinger Bürgerwehr. Foto: muscovado
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