Wieder Nazi-Übergriff in Rosenheim

Am frühen Sonntag-Abend wurden antifaschistische Aktivisten in der Rosenheimer Innstraße von Nazis bedroht, nun ermittelt die Polizei in dem Fall. Doch auf Staat und Polizei wollen sich die Betroffenen nicht verlassen, sie sehen vor allem die Bürger_innen Rosenheims in der Verantwortung.

Von Leonie Micker

In Rosenheim mehren sich in den vergangenen Tagen und Wochen die Übergriffe von Rechtsradikalen. Zum jüngsten Vorfall kam es am frühen Sonntag-Abend: Dabei wurden drei linke Aktivist_innen von Nazis bedroht. „Wir standen vorm linken Zentrum, und dann sind auf einmal drei Typen um die Ecke gebogen“, berichtet Karl, dessen Name auf seinen Wunsch hin von der Redaktion geändert wurde.  Die „Typen“ hätten sich mit geballten Fäusten vor ihnen aufgebaut, erklärt Karl die Situation. Die Ansagen die dann gekommen seien, waren recht unzweideutig: „Ihr könnt hier machen was ihr wollt, aber wenn wir euch draußen irgendwo sehen, dann bringen wir euch um“, habe einer der Männer zu ihm gesagt, so Karl. Mit „hier“ habe der Mann, wie Aktivist Karl erklärt, das Z, das Linke Zentrum in Selbstverwaltung gemeint. Das Z wurde schon in den vergangenen Monaten Ziel von nächtlichen Sachbeschädigungen, die vermutlich rechtsradikalen Täter_innen zuzuordnen sind.

ADN-ZB Kluge 15.1.90 Leipzig: Demonstration Mitglieder der neonazistischen NPD aus der BRD nahmen an der Kundgebung auf dem Karl-Marx-Platz teil.

„Wir treten euch das Gesicht ein, vor euch Antideutschen haben wir keine Angst!“, auch an diesen Satz können sich Karl und die anderen Betroffenen noch gut erinnern. „Die haben dauernd ihre Fäuste geballt, der eine hatte Nazi-Symbole auf der Jacke und Blutergüsse im Gesicht. Ich dachte, jetzt machen die uns fertig“. Als „grobschlächtig“, und „krass aggressiv“ beschreiben die Betroffenen die drei Männer, „die waren zu allem bereit“. Nachdem die Aktivisten die Polizei rufen eskalierte die Situation erneut, „dann sind sie auf uns zugerannt“. Einer der Betroffenen zückt sein Pfefferspray, was die Angreifer abschreckt. Dann, nach einigen Minuten, in denen sich den Angreifern mehrere andere Männer aus einer nahen Kneipe anschließen, trifft die Polizei ein und stellte die Personalien der Aktivisten und der Täter fest.  Gegen die drei Täter wird nun wegen Bedrohung und Beleidigung ermittelt.

„Genau wegen solchen Vorfällen“ antwortet einer der Aktivisten auf die Frage, warum er denn ein Pfefferspray mit sich führe. „Aber wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, betont Karl, der sich nach dem Vorfall an muscovado gewendet hat, um auf die Zunahme von Naziaktivitäten im Raum Rosenheim aufmerksam zu machen. „Wir wollen weiter für eine klassenlose und solidarische Gesellschaft eintreten, da bringen uns ein paar Nazis nicht von ab“. Er appelliert an die Bevölkerung Rosenheims, sensibler zu sein, was Nazi-Symbolik und dumpfe Stammtischparolen betreffe. Denn teils könnten Faschisten in der Kreisstadt am Inn offen ihre menschenfeindliche Gesinnung herausposaunen, ohne dabei auf Widerstand – oder zumindest Widerspruch – zu stoßen: Auch bei Eishockeyspielen der Starbulls Rosenheim habe er schon beobachtet, wie Glatzköpfige offen den Hitlergruß gezeigt hätten ohne dass dies Konsequenzen nach sich gezogen hätte, erinnert sich ein Freund Karls.

In einigen Kneipen in der Innstraße stört man sich offensichtlich auch nicht an der Anwesenheit von Neonazis. Bereits im Oktober sei es in der Kneipe Schwarzes Rößl zu einem Vorfall gekommen, bei dem einige Faschisten auf linksalternative Jugendliche losgegangen seien, erklärt Karl. Das Eintreffen der Polizei habe die Gruppen dann auseinander getrieben. Und auch in der Bar Onkel Willi seien Rechtsradikale inzwischen Stammgäste, heißt es aus antifaschistischen Kreisen.

Auf den Staat und seine Sicherheitsorgane könne man sich hierbei nicht verlassen. Im Gegenteil, wie Karl argumentiert: „Wenn die Polizei es nicht einmal schafft, Flüchtlingsheime ordentlich vor marodierenden Mobs zu schützen, während in München ein Antifaschist wegen einer zu dicken Fahnenstange in U-Haft sitzt, dann weiß man ja, was los ist“, so Karl. Der Staat sei zudem nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, finden Karl und die anderen Betroffenen: „Auch der deutsche Staat schafft Fluchtursachen, schiebt ab, sperrt ein“, sagt Karl mit Blick auf Flüchtlinge. Und auch von der örtlichen Presse sei man enttäuscht, monieren die Aktivisten, diese spiele rechte Übergriffe oft als Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen herunter, während er nationalistische Mob ungehindert in den Kommentarspalten von Rosenheim24 wüte.

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Ein Gedanke zu “Wieder Nazi-Übergriff in Rosenheim

  1. Locker bleiben, Rechte reden nur. Echte Gewalt gegen Sachen, Polizisten oder Andersdenkende ist der Antifa vorbehalten. Hasta la victoria siempre, Leipzig!

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