Die Geschichte meiner Flucht

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Am Abend des 23.07.2015 fand der Vortrag „Die Geschichte meiner Flucht“ im Saal des Stadtjugendrings statt. Dies geschah im Rahmen der Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ in Zusammenarbeit mit dem Initiativkreis Migration Rosenheim. Es erzählten nacheinander fünf Flüchtlinge von ihrer Flucht, ihrem Leben davor und den Erlebnissen und Eindrücken von Deutschland. Moderiert und teilweise übersetzt wurde der Abend von Henny Stoll und Eberhard Ruhenstroth. Zuerst sprach Shoja aus Afghanistan. Sein Vater war mit ihm, als er noch ein Baby war, in den Iran geflüchtet, da er sich gegen das Regime ausgesprochen hatte. Shoja kehrte später wieder nach Afghanistan zurück, musste jedoch wegen Problemen mit den Taliban wiederum fliehen. Hier in Deutschland stört ihn vor allem die Arbeitssituation für Flüchtlinge. Gerne würde er sich weiterbilden und arbeiten, doch neben der neuen Sprache werden ihm vor allem durch überflüssige Gesetze weitere Steine in den Weg gelegt.

Fort fuhr Zakaria aus Syrien, der zusammen mit seiner an Diabetes erkrankten Mutter vor dem Bürgerkrieg über den Seeweg floh. Dies hätte für ihn fast tödlich geendet, da es Komplikationen mit dem Schiff gab, doch durch die italienische Küstenwache konnten die Flüchtenden gerettet werden. Von dieser wurden sie dann zu einer Polizeistation gebracht, an der man ihnen die Fingerabdrücke abnahm. Von Italien aus floh Zakaria weiter nach Deutschland. Dort sagte man ihm jedoch, dass er hier nicht bleiben könne, da er in Italien registriert sei und wegen des Dublin-Abkommens dort einen Antrag auf Asyl stellen müsse. Dies empfand er als schlimmer als eine Rückkehr nach Syrien, da seine Mutter auf Medikamente angewiesen war und diese in Italien nicht bekommen hätte. Nachdem diese Lage für ihn so aussichtslos erschien, beging er einen Suizidversuch. Dadurch wurde seine Situation neu verhandelt.

Als nächstes erzählte Florence aus Nigeria von den Problemen in ihrem Land. Vor allem die ungeheure Armut zwingt die Menschen dort zur Flucht – Essen und Bildung sind nicht selbstverständlich. Weitere Probleme sind Polygamie und die Beschneidung von Frauen, insbesondere während der Schwangerschaft, diese haben es in Nigeria besonders schwer. In Deutschland ist Florence mittlerweile selbstständig, sie besitzt den „Afroshop“ in Rosenheim.

Ibraima floh wegen des Casamance-Konflikts aus dem Senegal. Dieser Konflikt existiert zwischen der Regierung und der MFDC (Mouvement des forces démocratiques de la Casamance oder Bewegung der demokratischen Kräfte der Casamance). Die Eltern Ibraimas wurden von der MFDC getötet und als Sohn drohte dies auch ihm. So wurde er seit seiner Jugend von diesen verfolgt und floh deshalb von einem in das nächste Land, er kam schließlich nach Deutschland. Doch hier hat es Ibraima auch nicht leicht, denn Senegal zählt momentan nach deutschem Asylrecht als sogenannter „sicherer“ Herkunftsstaat. Der Asylantrag eines Asylbewerbers aus einem sicheren Herkunftsstaat ist nach § 29aAsylVerfG als „offensichtlich unbegründet“ abzulehnen, sofern er nicht Tatsachen oder Beweismittel angibt, welche die Annahme begründen, dass ihm abweichend von der allgemeinen Lage im Herkunftsstaat politische Verfolgung droht. Außerdem ist es Flüchtlingen aus diesen Ländern auch nach zehn Monaten nicht gestattet zu arbeiten – Ibraima würde sein Leben jedoch gerne selbst in die Hand nehmen.

Zuletzt schilderte Khuram aus Pakistan seine Geschichte. Sein Vater schickte ihn mit 16 Jahren in eine Koranschule, in der er nach einem Jahr zum Dschihadisten ausgebildet werden sollte. Aus Angst davor versuchte er mit einem Mitschüler heimlich zu fliehen. Dies gelang ihnen auch, doch von dort an wurden sie verfolgt. Khuram versuchte nach einiger Zeit wieder in seine Heimat zurückzukehren, allerdings lies man ihn daraufhin verschleppen und versuchte ihn zu erschießen. Khuram überlebte glücklicherweise und floh zu Fuß in den Iran. Von dort nahm er einen sechsmonatigen Fußmarsch nach Deutschland auf sich über die Türkei, Bulgarien, Mazedonien, Serbien und Österreich. Hier hofft Khuram endlich ein neues Leben beginnen zu können.

Gebannt hörten die Anwesenden den ergreifenden Vorträgen zu. Die schockierenden Erlebnisse der Flüchtlinge ließen viele ungläubig den Kopf schütteln, ab und zu kamen zustimmende Zwischenrufe aus dem Saal, welcher übrigens angesichts einer Zahl von ca. 150 Besuchern viel zu klein war. Die Veranstalter hatten wohl mit weniger Interesse an dem Thema gerechnet, doch glücklicherweise irrten sie sich in dieser Hinsicht. Denn das Thema ist aktuell und jeder sollte sich damit auseinandersetzen. Nach dem Vortrag hatten die Zuhörer dann noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Besonders interessierte sie, wie man Flüchtlingen selbst helfen könne – es wurde auf verschiedene Organisationen in der Umgebung verwiesen. Aber vor allem sollte man diese einfach mal ansprechen und nicht ausschließen, wünschten sich die Flüchtlinge. Mit diesen Worten endete die höchst informative und interessante Veranstaltung, hoffentlich ist es den Organisatoren möglich, bald Ähnliches auf die Beine zu stellen!

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