Angriff auf Kobanê: Absurde türkische Staatspropaganda…

…oder: Besitzt der IS fliegende Autos?

von Anselm Schindler

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Glaubt man den Aussagen türkischer Staatsbediensteter, dann kamen die Fahrzeuge des IS beim gestrigen Angriff auf Kobanê über diese zerstörte Brücke und nicht etwa, wie Augenzeugen berichten, vom direkt an Kobanê angrenzendem türkischen Staatsgebiet. Foto: Anselm Schindler

Am gestrigen Morgen richteten Terror-Einheiten des Islamischen Staates in der weitgehend selbstverwalteten kurdisch/nordsyrischen Stadt Kobanê ein Massaker an. Allein dort wurden rund 50 Menschen bestialisch ermordet, unter anderem durch Autobomben.

Auch in anderen Städten der basisdemokratischen Gebiete in Rojava gab es Angriffe durch den IS die viele Menschenleben forderten (nach Schätzungen insgesamt rund 150). Eigentlich sind große Teile Rojavas seit einiger Zeit von der IS-Besatzung befreit. Kobanê schon seit Januar. Die Weltöffentlichkeit fragt sich daher irritiert, woher die Fahrzeuge und Kämpfer der IS-Angriffs kamen. Staatliche türkische Institutionen behaupten nun, der IS sei über Jarabulus (Dscharablus) bis nach Kobanê vorgedrungen. Jarabulus ist in der Hand des IS und liegt westlich des Flusses Euphrat, also an der westlichen Front des Kantons Kobanês. An dieser Front herrscht schon seit Wochen mehr oder minder ein Stellungskrieg. Der Frontverlauf hat sich auch seit die zwei muscovado-Redakteure in der Region bei Jarabulus waren kaum verändert. Es existiert nur eine Straße, die von Jarabulus nach Kobanê führt. Wie auf einem Foto unserer Redakteure zu sehen ist, ist diese Straße aber nicht passierbar, seit der IS bei seinem Rückzug im März die Brücke sprengte. Die sprengstoffbeladenen Fahrzeuge des IS hätten also, glaubt man der Version von türkischen Regierungsbehörden, über eine bereits gesprengte Brücke fahren müssen. Und danach unbemerkt durch 40 Kilometer Terretorium der Volksverteidigungseinheiten. Angesichts der vielen Straßensperren, die auch die Autos kontrollieren erscheint auch das schier unmöglich.

Diverse Nachrichtenagenturen und Medien, darunter auch die ARD, nehmen die absurden Behauptungen des türkischen Staates zu den Vorfällen aber offensichtlich ohne Widerspruch hin.  „Tatsächlich seien die Extremisten aus Richtung der syrischen Stadt Dscharablus bis nach Kobane vorgedrungen, teilte das Büro des Gouverneurs der Grenzprovinz Sanliurfa laut einer türkischen Nachrichtenagentur mit.“ So stand es am gestrigen Abend auf der online-Seite der Tagesschau. Diese Aussage widerspricht auch diversen Augenzeugenberichten wonach die islamistischen Angreifer direkt über die türkische Grenze ins angrenzende Kobanê eingedrungen seien. Und das kam nachgewiesenermaßen auch in den vergangenen Monaten vor, wie auch die türkische Tageszeitung Cum hurriyet trotz aller Repression gegen Journalist_innen aufdeckte. Lokalen Berichten zufolge seien die meisten IS Kämpfer bei dem aktuellen Angriff über die türkische Grenze nach Kobanê eingereist, heißt es auch vom kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka Azad. Die Bombenexplosionen in der Nähe des türkisch-syrischen Grenzübergangs Mürşitpınar bestätigten diesen Verdacht. Ferner teilte Civaka Azad am gestrigen Nachmittag mit, dass lokale Reporter beobachtet hätten wie türkischen Verantwortlichen die Grenze für die Behandlung schwer verletzter Zivilisten aus der Stadt Kobanê nicht öffnete.

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